Sonderpreis 2017 für Barrierefreiheit – The CANUTE – Bristol Braille Technology

Der Gewinner des Sonderpreises für Barrierefreiheit im digitalen Literaturraum mit einstimmigem und klarem Jury-Votum ist das britische am Gemeinwohl orientierte Unternehmen Bristol Braille Technology mit ihrem Produkt Canute.

Bristol Braille Technology hat sich zum Ziel gesetzt, den Rückgang der Braille-Alphabetisierung aufzuhalten und eine revolutionär innovative und vor allem aber auch bezahlbare Braille-Technologie zu entwickeln: den „Canute eReader“.

Worum geht es?

Lesen können bedeutet nicht nur für sehende Menschen eine wesentliche Voraussetzung für ihre persönliche und berufliche Entwicklung. Lesen können bedeutet eine selbstbestimmte Teilhabe an allen gesellschaftlichen Prozessen, an Literatur und Kunst, an Unterhaltung und Bildung.  Lesen können bedeutet Unabhängigkeit.

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Für Sehbehinderte und Blinde ist die Fähigkeit, Brailleschrift zu lesen, genauso unabdingbar zur Erlangung  eines selbstbestimmten Lebens – wie oben beschrieben – wie für sehende Menschen das Lesen können von Buchstaben. „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“ – wie wahr ist dieser Satz, den wir im Alltag unbedacht benutzen und uns erlauben, frotzelnd eine negativ konnotierte Haltung gegenüber benachteiligten Menschen äußern. Denn wir benutzen praktisch die Benachteiligung anderer – in diesem Fall die Sehbehinderung  – um andere eigentlich nicht betroffene damit zu diskreditieren und beleidigen die Betroffenen.

Eine nahezu perfide Entwicklung der vergangenen Jahre: so relevant die Fähigkeit, Braille zu lesen ist – so sehr sinkt die Rate der Menschen, die diese Fähigkeit besitzen! Dies hängt u.a. unmittelbar mit den Kosten zusammen, die mit Technologien zur Umwandlung analoger und auch digitaler Texte in Braille einhergehen. Im Besitz von Geräten inklusive Technologie für „refreshable“ aktualisierbare Brailleschrift  zu sein, können sich die wenigsten Betroffenen leisten.  Die unvermeidliche Folge: aufgrund einer jahrzehntelang stagnierenden Technologie sinkt die Zahl der Menschen, die Braille beherrschen, stetig und damit ihre Chance auf eine reelle Teilhabe am z.B. universitärem bzw. wissenschaftlichen Leben. Denn auch und obwohl eine Vielzahl innovativer technischer Hilfsmittel den Sehsinn über das Hören ausgleichen, so ist Lesen und Schreiben können auch für Blinde unerlässlich, wenn sie selbstbestimmten Zugang zu Literatur und Bildung haben möchten.

 

Ed Rodgers | © Vedat Demirdöven

Ed Rogers, Founder and Managing Director von Bristol Braille Technology CIC, wird auf der Buchmesse persönlich anwesend sein.

 

Im Bild zusehen: Verena Bentele - Die Beauftragte der Bundesregierung für Belange behinderter Menschen
Verena Bentele | © Vedat Demirdöven

Die Verleihung des Sonderpreises übernimmt die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, die Biathletin Verena Bentele.