Rückblende | eBook Gewinner Robin Burgauer im Interview

 

Vedat Demirdöven Robin, 2014 hast du an der Frankfurter Buchmesse zusammen mit Docmine den ersten deutschen eBook Award erhalten für euer Videobook „Carl Lutz – Der vergessene Held“.

Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse 2014. Von rechts nach links: Patrick M. Müller (Founder, Managing Director, DOCMINE Productions), Regina Huber (Art Director, DOCMINE Productions) und Robin Burgauer (Head of Creation, DOCMINE Productions) ©Vedat Demirdöven
Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse 2014. Von rechts nach links: Patrick M. Müller (Founder, Managing Director, DOCMINE Productions), Regina Huber (Art Director, DOCMINE Productions) und Robin Burgauer (Head of Creation, DOCMINE Productions) ©Vedat Demirdöven

Wie schaust du auf die Preisverleihung vor zwei Jahren zurück?

Robin Burgauer Vorab: Vor der Einreichung habe ich mich sehr gefreut, dass mit diesem Preis endlich eine Anerkennung respektive eine Bühne auf einer der wichtigsten Buchmessen der Welt geschaffen wurde, um digitale „Publikationen“ zu würdigen. Denn bis dahin und auch immer noch ist es für digitale, interaktive Produktionen sehr schwierig Aufmerksamkeit zu bekommen. Dass wir dann letztlich den Preis gewonnen haben freute mich natürlich auch sehr. bild_s8 (2)Insbesondere weil das die Berichterstattung über die App stark angekurbelt hat und auch diverse Unternehmen und Leute auf uns zugekommen sind.

VD Und inwiefern hat der Preis die Downloads beeinflusst im Apple App Store, bei Google Play?

RB Diese Frage wird immer wieder gestellt. Ganz ehrlich finde ich das eher zweitrangig. Das Problem vieler digitaler Umsetzungen, v.a. auch im Bereich Digital und Continuous Publishing liegt darin, dass Downloads beziehungsweise Umsätze zu kurzfristig betrachtet werden. Als erstes sollte Aufmerksamkeit und häufig sogar erst ein Bedürfnis geschaffen werden. Viele User sind sich gar nicht bewusst, dass es neben klassischen eBooks noch ganz andere Formen des Lesens, Schauens und Interagierens gibt. Sprich: Es gibt viele Umsetzungen, die man nicht einmal einem klaren Genre zuweisen kann. Da kann nicht erwartet werden, dass Downloads plötzlich in die Höhe schnellen. Trotzdem waren wir mit den Gesamtzahlen sehr zufrieden. Diese bewegten sich total in einem fünfstelligen Bereich.

VD Deine Einschätzung hört sich ein wenig ernüchternd an. Siehst du denn überhaupt einen genügend großen Markt für eBooks?

RB Absolut! Was zur Zeit passiert in der Verlags-, Film- und der ganzen Entertainment-Branche hat es so noch nie gegeben. Grenzen verschmelzen, neue Formate und neue Plattformen entstehen und Nutzer gehen anders mit Inhalten um als noch vor fünf Jahren. Dies bedarf aber, dass man sich stark löst von bekannten Strukturen. Ein unglaubliches Beispiel hierfür ist Magic Leap in Florida, die mit Mixed Reality eine neue Form schaffen wie realer und digitaler Raum miteinander kombiniert werden.

VD Das hört sich aber bereits sehr weit entfernt an von digitalen Büchern und dem eBook Award an der Frankfurter Buchmesse.

RB Nicht unbedingt. Es geht letztlich einfach darum, dass man den Mut hat neue und innovative Ideen zu entwickeln und vor allem sich zu überlegen wie wir in fünf Jahren mit mobilen Geräten oder unserer Umwelt interagieren werden. Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass National Geographic eines Tages auf Snapchat ihre Geschichten verbreiten oder dass ZDF info mit GIFs oder Kurzvideos auf Facebook tausende von Leuten erreichen wird.

VD Aus ähnlichem Grund haben wir uns beim eBook Award auch von Formaten gelöst und uns für Kategorien entschieden (Kinder und Jugend, Fiction, Nonfiction, Sonderpreis).

RB Das finde ich auch total sinnvoll. So lässt man Einreichungen zu, welche in einer Form umgesetzt sind mit der man allenfalls gar nicht gerechnet hat.

VD Aber gib es aus deiner Sicht auch Lesegewohnheiten, die beibehalten werden? Es kann ja kaum sein, dass sich plötzlich alles auf den Kopf stellen wird.

RB Klar. Ich glaube, dass bestimmte Regeln des Storytellings auch in Zukunft gelten werden. Beispielsweise, dass Geschichten einen klaren Anfang und ein klares Ende verlangen. Nutzer werden aber immer mehr selber entscheiden können wie tief sie in eine Geschichte eintauchen möchten, vor allem bei nonfiktionaler Wissensvermittlung. Momentan gibt es bei journalistischen Longforms oder auch nonfiktionalen eBooks kaum eine Gewichtung der Inhalte. Ich glaube es wichtig, dass man sich sehr schnell und vor allem auch visuell einen Gesamtüberblick verschaffen kann. Ich glaube bei fiktionalen Geschichten könnte auch immer wichtiger werden, dass Nutzer das Gefühl bekommen die Story selber beeinflussen zu können. Bei Games ja bereits gang und gäbe.

VD Es scheint, dass du dich mittlerweile neben eBooks auch mit ganz anderen Formen des digitalen Erzählens auseinandersetzt. Was sind denn deine Pläne?

RB Nachdem ich für Docmine in den letzten vier Jahren das Studio für Digital Storytelling mit aufgebaut habe, habe ich mich nun seit Juli 2016 selbständig gemacht. Mich interessiert insbesondere Brücken zu schlagen zwischen der digitalen und analogen Welt. Sprich: Wie kann man Menschen digital ansprechen und gleichzeitig unsere Umgebung berücksichtigen in der wir uns bewegen. Pokémon GO macht ja eigentlich genau das – obwohl mich diese Inhalte Null interessieren. Mein Ziel ist es „Purpose“ und „Benefit“ zusammen zu bringen mit einem digitalen Ansatz. Gutes und Sinnvolles zu tun, das sich wirtschaftlich auch trägt.

VD Und wenn man mehr darüber erfahren möchte?

RB Sehr gerne! hello@robinburgauer.com oder www.robinburgauer.com

VD Ich danke dir für dieses Gespräch.